Herkunft des Geschlechts und Entstehung des Nachnamens
Das erste historisch belegte Mitglied des Geschlechts, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Nachnamen Mórocz zu führen begann, war Benedikt (Benedictus Morocz de Naghaban). Der Nachname entstand auf patronymische Weise – Benedikt leitete ihn vom Vornamen seines Vaters Mauritius (Móricz) ab.
Nobilium Benedictum Morocz de Naghabany - 1518
Dokument aus dem Jahr 1518 – ein äußerst seltener Beleg für den Übergang vom Prädikat des Mauritius zum Nachnamen des Benedikt. Der Eintrag im Text bestätigt die adelige Linie der Familie Mórocz in direkter Verbindung mit ihrem Stammsitz Nagyabony (Großabony).
Aus genealogischer Sicht stellt Benedikt somit den „Vater“ des Geschlechts und Mauritius dessen „Stammvater“ dar. Der älteste bisher zurückverfolgte Vorfahre ist jedoch Michael de Nagyabony (Vater des Mauritius), der im 15. Jahrhundert lebte. Obwohl der genaue Ursprung des Geschlechts Gegenstand laufender Forschungen ist, steht fest, dass die Vorfahren der Familie Mórocz zum Uradel des sogenannten Oboni/Abony-Clans gehörten, der in diesem Gebiet bereits seit dem 12. Jahrhundert königliche Freiheiten genoss.
Leben und Wirken von Benedikt Mórocz
Benedikt lebte an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, in der Zeit vor der schicksalhaften Schlacht bei Mohács. Als Edelmann war er aktiv an der Gutsverwaltung und am öffentlichen Leben beteiligt. In zeitgenössischen Urkunden wird er in bedeutenden Rollen erwähnt:
- Im Jahr 1511 tritt er als Vertrauensmann (*homo*) von Gregor Illésházy (Gergély Illés) auf.
- Im Jahr 1520 wirkte er als Gesandter des Pressburger Kapitels, was von seinem gesellschaftlichen Status und seiner Glaubwürdigkeit in kirchlichen sowie weltlichen Kreisen zeugt.
- In den Jahren 1519 und 1520 war er als Gesandter des Pressburger Kapitels und als königlicher Bevollmächtigter tätig, was seine Autorität und das Vertrauen des königlichen Hofes unterstreicht.
Seine Ehefrau war Katherine Zempczy de Bachffalva, die Tochter von Siegmund Zempczy. Durch diese Verbindung verschwägerte sich das Geschlecht mit einer weiteren Adelsfamilie aus dem nahe gelegenen Báčfa (Batschfa). Gemeinsam hatten sie fünf Kinder: die Söhne Blasius (Blassi) und Demeter sowie die Töchter Martha, Katharina und Apollonia.
Nobilis Benedictus Morocz de Naghabany - 1511
Benedikt lebte an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, in der Zeit vor der Schlacht bei Mohács. Dass er als Edelmann aktiv an der Gutsverwaltung und am öffentlichen Leben teilnahm, belegt auch eine Urkunde vom 14. Oktober 1511. In diesem vom Pressburger Kapitel ausgestellten Dokument erscheint er unter dem Namen Benedictus Morocz de Naghaban als Vertrauensmann und Rechtsvertreter von Gregor Illésházy.
Benedicto Morocz de Naghabany - 1520
Dieser Ausschnitt dokumentiert eine diplomatische und rechtliche Mission vom Januar 1520, an der Benedikt Mórocz aus Großabony (Benedicto Morocz de Naghabon) teilnahm. Das Kapitel entsandte ihn zusammen mit dem Priester Barnabas aus Raab in die Stadt Loipersdorf (oppido Chetherthek), um Eigentumsbeschwerden zu untersuchen. Da ihre Erkenntnisse die Beschwerden bestätigten, wurden die örtlichen Grafen und Beamten direkt vor den König geladen, was die hohe Autorität und das Vertrauen beweist, das Benedikt damals genoss.
Benedicto Morocz de Naghabany - 1519
Dieser Ausschnitt belegt die wichtige gesellschaftliche Stellung Benedikts. Im Dezember 1519 wurde in Ofen (Buda) ein königliches Mandat erlassen, in dem Benedikt zusammen mit führenden Adeligen der Region bei einer wichtigen Rechtshandlung bezüglich der Vorladung von Komitatsbeamten aufgeführt ist.
Besitztümer und die untergegangene Siedlung Nadvár
Benedikt war ein zielstrebiger Wirtschafter, der eine Erweiterung des Familiendominiums anstrebte. Zu den ererbten Gütern in Großabony (Nagyabony) erwarb er nach und nach weitere Anwesen im strategisch wichtigen Teil Nadvár.
- Im Jahr 1511 erwarb er vom Edelmann Gervasius von Großabony die Hälfte seines Besitzanteils in Nadvár, wodurch er den Einfluss des Geschlechts in dieser Lokalität stärkte. Er besaß Felder, Wälder, Wiesen, Adelskurien und Gehöfte nicht nur in Großabony, sondern auch in angrenzenden Gebieten wie Gaathzeg oder dem bereits erwähnten Nadvár. In dieser Siedlung erwarb er zudem Anteile an den Fischereirechten.
Nobilis Blasius Morocz de Naghabany - 1577
Dieser Ausschnitt aus einer historischen Urkunde von 1577 enthält den lateinischen Eintrag des Namens von Blasius Mórocz, dem Sohn Benedikts. Er wird im Text als „Nobilis Blasius Moorocz de NagiAban“ aufgeführt, was seine adelige Herkunft und Zugehörigkeit zum Stammsitz in Großabony bestätigt. Seine Gemahlin war die wohlgeborene Frau Sophie, Tochter des wohlgeborenen Franz Csöpönyi von Keozepchepen (Mittel-Tschepen).
Nadvár war zu jener Zeit ein prosperierender Teil der Gemarkung und ein wichtiges wirtschaftliches Hinterland. Laut zeitgenössischen Angaben befand sich dort eine „Nádvár“ (wörtlich **Schilfburg**), die von den ansässigen Adeligen aus Abony verteidigt wurde. Ihr Schicksal wurde jedoch durch die Unruhen des 17. Jahrhunderts besiegelt, als sie infolge verheerender osmanischer Einfälle und der anti-habsburgischen Standesaufstände völlig verwüstet wurde und anschließend unterging.
Auffälliges „Schweigen“ in den Archivquellen
Die historische Forschung des Geschlechts stößt nach 1525 auf ein auffälliges „Schweigen“ in den Archivquellen. Die letzte Erwähnung von Benedikt stammt aus dem Jahr 1520 im Zusammenhang mit einer Pfandverschreibung beim Pressburger Kapitel, während in späteren Urkunden nach 1525 nur noch seine Söhne und Töchter genannt werden. Was geschah in dieser Zwischenzeit?
Als Nobilis (Edelmann) des Pressburger Komitats war Benedikt unter Androhung des Verlusts von Besitz und Ehre verpflichtet, in das königliche Heer von Ludwig II. Jagiellon einzurücken. Der Pressburger Adel bildete den Kern der Verteidigungskräfte Oberungarns durch das Adelsaufgebot (Insurrectio).
Da er bereits 1511 eigenständig in Rechtsangelegenheiten handelte, war er 1526 ein Mann in den besten Jahren, wahrscheinlich ein erfahrener Soldat aus dem Kleinadel. Die Schüttinsel war ein strategischer Sammelpunkt für die nach Süden ziehenden Truppen. Für die Familie aus Großabony (Nagyabony) war es nahezu unmöglich, der allgemeinen Mobilmachung fernzubleiben.
Schlacht bei Mohács 1526
Die Schlacht bei Mohács fand am 29. August 1526 statt und endete mit einer katastrophalen Niederlage des ungarischen Heeres unter der Führung von König Ludwig II. gegen die osmanische Armee von Sultan Süleyman I. Dieses tragische Ereignis, bei dem der König selbst sowie ein Großteil des heimischen Adels fielen, führte zum Zerfall des Königreichs Ungarn und ebnete den Weg für eine fast 150-jährige Türkenherrschaft in Mitteleuropa.
Das Fehlen jeglicher Erwähnung Benedikts nach 1525 – einer Zeit, in der die ungarische Staatsverwaltung kollabierte und der Großteil des mittleren Adels umkam – deutet darauf hin, dass Benedikt Mórocz bei Mohács mit hoher Wahrscheinlichkeit gefallen ist oder eine tödliche Verwundung erlitt. Diese Familientragödie würde erklären, warum die Besitztümer und Rechtsangelegenheiten seiner Kinder erst nach der Stabilisierung der Verhältnisse um 1530 wieder gehäuft in den Archiven auftauchen.
Obwohl die genauen Geburts- und Sterbedaten Benedikts im Dunkeln bleiben, ist seine Bedeutung für das Haus Mórocz unbestreitbar. Er war es, der dem Geschlecht den Namen gab und den Grundstein für den Grundbesitz legte, auf dem die weiteren Generationen dieses Geschlechts in Großabony aufbauten.
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